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Aug 23 2017

bild-zu-blogartikel-wie-sorge-ich-selbst-vorWie sorge ich selbst vor?

Ein Gedanke, der oft sehr weit weggeschoben wird.

Warum eigentlich?

Als vor über 21 Jahren mein Vater am plötzlichen Herztod starb, habe ich eigentlich nicht viel nachgedacht, sondern gemeinsam mit meiner Tante Entscheidungen getroffen. Entscheidungen, die zum Teil zum Zerwürfnis in der Familie geführt haben.

Was mein Vater wollte, wusste ich nicht.

Damals habe ich begonnen, mir Gedanken über das zu machen, was ich eigentlich mal habe will.

Mittlerweile habe ich viele Menschen in der Familie bis zum Tod begleitet, mit den wenigsten konnte ich darüber sprechen, was sie sich wünschen, wie sie es gerne hätten.

Warum? Weil es immer noch ein Tabuthema ist, weil man darüber nicht spricht, weil man dem anderen nicht zu nahetreten will. Weil, weil, weil.

Das erste Mal offen darüber gesprochen haben wir mit unserer Tochter, als klar war, dass es keine Heilung mehr geben wird.

Fragen wie: Was möchtest du gerne, wo möchtest du begraben werden, wie soll deine Trauerfeier aussehen usw. wurden thematisiert. Nicht immer konnte oder wollte sie darauf Antworten geben, aber wir hatten doch einen groben Fahrplan und konnten ihre Wünsche erfüllen.

Wie sorge ich jetzt selbst vor? Was ist wichtig?

Für mich war es unheimlich wichtig, eine Patientenverfügung zu erstellen, um meinem Mann und einem unserer Kinder die Möglichkeit zu geben, in meinem Sinne Entscheidungen zu treffen, Auskünfte zu bekommen, mit einbezogen zu werden in laufende Prozesse.

Ein Testament zu machen, um meinen Nachlass zu regeln. Damit es nicht zum Streit unter den Hinterbliebenen kommen muss. Denn das musste ich leider nicht nur einmal in einem Erbfall selbst erleben. Denn beim Geld hört für viele die Freundschaft und sogar Verwandtschaft auf. Da wird auch vor Anzeigen nicht zurückgeschreckt.

Als unsere Kinder noch nicht volljährig waren, hatten wir in unserem Testament auch einen Vormund und Testamentsvollstrecker benannt. Jemanden aus der Familie, dem wir dieses Amt zutrauten und sicher sein konnten, dass unsere Kinder gut versorgt sein würden.

Mit meinem Mann habe ich entschieden, wie und wo wir einmal bestattet werden wollen. Wir haben uns für einen Friedwaldbaum entschieden, den wir auch schon gekauft haben. Dort dürfen 10 Urnen an unserem Familienbaum beigesetzt werden. Zwei Plätze sind für uns reserviert, einen hat unsere Tochter und über die restlichen 7 Plätze können unsere Kinder entscheiden.

Lange haben wir uns darüber Gedanken gemacht. Nachdem ich jedoch über 20 Jahre bis zu 5 Gräber auf dem Friedhof in unserer kleinen Gemeinde pflegen musste, wollte ich dies unseren Kindern nicht antun. Zudem sie auch nicht alle am Ort wohnen. Warum dann also ein Grab vielleicht in die Pflege des Gärtners geben, wenn es für uns eine stimmige Alternative, den Friedwald, gibt?

Somit ist auch klar, dass wir uns eine Urnenbeisetzung wünschen und dies auch schriftlich und verbindlich für unsere Nachkommen festgelegt haben.

Für mich ist es, nicht nur beruflich bedingt, sondern aus Erfahrung heraus auch ganz wichtig, mit meinen Kindern zu sprechen, wie ich mir meinen Sarg, meine Trauerfeier vorstelle.

Ich weiß, wie ich damals als junge Frau dastand und keine Ahnung hatte. Das war so ein unbeschreiblich bescheidenes Gefühl, das will ich keinem meiner Angehörigen antun.

In meiner Arbeit als Freie Rednerin erlebe ich es immer wieder, wie entspannend es für Angehörige sein kann, wenn der oder die Verstorbene konkrete Anweisungen zu Lebzeiten gemacht hat. Von den Liedern über Texte, Arrangements bis hin zum Redner oder Pfarrer darf alles geregelt sein.

Vor kurzem hatte ich ein Trauergespräch mit einer Familie, in der die Verstorbene, als sie noch klar war, selbst aufgeschrieben hatte, was sie über sich an ihrer Trauerfeier gesagt haben will. Zwar deckte sich das nicht ganz mit dem, was die Angehörigen sich vorgestellt hatten, wir haben jedoch einen guten Kompromiss gefunden.

Das sind natürlich Dinge, die es vielen Angehörigen erleichtern, Abschied zu nehmen. Denn in den ersten Tagen, nachdem ein Todesfall eingetreten ist, muss in kürzester Zeit unendlich viel entschieden und erledigt werden.

Der Bestatter hat hunderttausend Fragen, die sofort entschieden werden sollten, Blumen müssen ausgesucht werden, das Trauergespräch geführt werden. Termine, die für möglichst viele passen müssen, arrangiert werden, ein Lokal für den Erinnerungskaffee gefunden werden und und und.

Zeit zum Trauern kommt in diesen Tagen meist zu kurz. Oder man trifft Entscheidungen, um sie eben getroffen zu haben, ohne lange nachzudenken, ob sich das richtig anfühlt.

Ich kann nur jedem raten, sich mit seinem eigenen Ableben zu beschäftigen und auch Familie und Freunde einzubinden, auch wenn die es manchmal gar nicht hören wollen.

Im Nachhinein werden sie dankbar sein.

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